Mensch - Organisation - Technik

Unternehmenskybernetik ist eine anwendungsorientierte und integrativ angelegte (transdisziplinäre) Wissenschaft. Diese betrachtet Unternehmen und Organisationen als offene, sozio-technische, ökonomische und vielfältig vernetzte Systeme. Die Unternehmenskybernetik beschreibt und erklärt mit Hilfe dieses ganzheitlichen, systemischen Ansatzes die komplexen Phänomene in Unternehmen. Mit Ansätzen der Ingenieurs-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften werden ganzheitliche Modelle und Lösungen für diese Phänomene entwickelt.

Kurze Entstehungsgeschichte der Unternehmenskybernetik

Die moderne Unternehmenskybernetik hat sich als Teilbereich der im Laufe der Zeit immer stärker differenzierten allgemeinen Kybernetik entwickelt. Der Begriff Kybernetik leitet sich aus dem altgriechischen Wort "Kybernétes" ab, was soviel wie "Steuermannskunst" bedeutet. Mit diesem Begriff verband man schon damals sowohl die Fertigkeit ein Schiff operativ steuern zu können, als auch die Fähigkeit, die Schiffsmannschaft zu führen. Der Bezug von Kybernetik auf die Bereiche Mensch, Organisation und Technik (MOT) geht also auf eine lange Tradition zurück.

Entstehung der Unternehmenskybernetik (in Anlehnung an Strina, im Druck)

Während frühe kybernetische Modelle vornehmlich technische und biologische Zusammenhänge in formalen Modellen abzubilden versuchten, wurden die Betrachtungen insbesondere von Jay Wright Forrester auf soziale Systeme ausgedehnt. Die ursprüngliche Linie entwickelte sich als Kybernetik 1. Ordnung vor allem in Computersimulationen weiter. Die Integration des Menschen und damit die Betrachtung dynamischer, nicht-trivialer Systeme wurde als Kybernetik 2. Ordnung vor allem durch die Arbeiten Heinz von Foersters beeinflusst. Zentral war hier die Einbeziehung des Beobachters und damit eine stärkere Hinwendung zu erkenntnistheoretischen Problemen.

Unternehmenskybernetische Prozesse

Was macht die unternehmenskybernetische Sichtweise denn nun genau aus? Typischerweise werden organisationale Strukturen und Prozesse mit einer einzeldisziplinären Theorie- oder Erfahrungsbrille wahrgenommen. Diese "Brillen" lassen sich meist als sozial- , wirtschafts- und ingenieurswissenschaftliche Perspektive beschreiben, was nicht zufällig den Organisationsdimensionen Mensch, Organisation und Technik des MOT-Ansatzes entspricht. Die Unternehmenskybernetik kann und will diese einzeldisziplinären Sichtweisen nicht ersetzen, da beispielsweise für ein technisches Problem nur eine ingenieurwissenschaftliche Sichtweise die notwendige Tiefe erbringen kann.

Neben solch klar definierten Fällen gibt es aber auch Prozesse und Probleme, die sich an den Schnittstellen zwischen den Disziplinen bewegen, und deren Betrachtung häufig vernachlässigt wird, da niemand sich verantwortlich und kompetent fühlt. Hier liefert die Unternehmenskybernetik die notwendige Ergänzung für Unternehmens- und Organisationsbetrachtungen. Strina (im Druck) präzisiert dies folgendermaßen:

Unter "unternehmenskybernetischen Prozessen" sollen alle jene Prozesse verstanden werden, die in ihrer hochgradigen Vernetztheit in jedem Unternehmen und jeder Organsiation das komplexe und dynamische Wirkungsgefüge zwischen sozialen, ökonomischen und technischen Teilprozessen (und damit zwischen den Dimensionen Mensch, Organisation und Technik) ausmachen.

Unternehmenskybernetische Grundprinzipien

Zur Systematisierung unternehmenskybernetischer Beobachtungen schlägt Strina eine Ordnung von sieben Grundprinzipien vor, welche jeweils sowohl Struktur- als auch Prozessaspekte beeinhalten – eine unverkennbare Dialektik, deren Gewolltsein jedoch gerade den Charme kybernetischen Denkens ausmacht. Die Grundprinzipien im Einzelnen sind

  • Systemperspektive,
  • Regelkreis,
  • Rekursion,
  • Synergie/Emgergenz,
  • Lern- und Lebenszyklus,
  • Varietätsdimensionierung und
  • Modellierung.

Quelle
Abbildungen und Inhalte dieser Seite lehnen sich an die Habilitationsschrift von Giuseppe Strina an:
Strina, Giuseppe: Zur Messbarkeit nicht-quantitativer Größen im Rahmen unternehmenskybernetischer Prozesse. Unternehmenskybernetik in der Praxis, im Druck.